Indien

Far away from India oder doingdoingdoingdoing......halawalamasala?

Wir haben wohl den schönsten Platz in Vagator für unsere Mathmi gefunden. Wir stehen auf dem Hügel und überblicken klein Vagator :-) Aussicht vom Platz Vagator

Trotzdem ich freue mich wieder auf Indien. Goa war zwar schön, aber weit weg von Indien. Wir hätten keine bessere Entscheidung treffen können, als gerade Wegs nach Agonda zu fahren. Agonda übertrifft alle Strandplätze die wir vorgefunden haben. Wie Gokarna in der Zwischenzeit aussieht, wird uns sicherlich Donat noch erzählen können :-)

Arambol scheint sich wie Palolem entwickelt zu haben und Morjim, was auch mal sehr unberührt war, versucht sich ebenfalls mit einer Liegestuhlarmada.

Anjuna hat sich dafür fast gar nicht verändert und scheint uns deshalb gar nicht mehr soooo schlimm, weil sich die anderen Strände angenähert haben. Krass oder?

Ansonsten sucht wie Raphi schon erwähnt hat ganz Goa immer noch die sogenannten Goa-Partys.....chchch. Es scheinen in Clubs oder Strandbars auch immer welche für einige Stunden stattzufinden. Die haben wir aber immer aus diversen Gründen verpasst. Es scheint, als wollte Goa nicht, dass wir deren Partys sehen.....Ich kann mir gut vorstellen wieso....Ich habs dann zum Schluss mit Zwieback doch noch in einen Outdoorclub geschafft und na ja...eben....sehr ausgelutscht das Ganze :-)

Trotzdem.....wo sind all die Hippies hin? In Agonda wird zwar schön brav meditiert und Yoga gemacht aber keine Hippies....In Anjuna und Vagator gibt’s fast nur Russen. Wurden die Hippies etwa von Ausserirdischen an Neujahr entführt? Vielleicht, vielleicht hängen sie aber alle nur in Gokarna und Manali rum....wir werden es deshalb nie erfahren ;-)

Lonar KraterseeWir haben uns entschlossen zum Kratersee in Lonar zu fahren und haben für diese Strecke wieder die zweispurigen indischen Strassen in Kauf genommen. Schön langsam sind wir hochgefahren und unsere Nerven sind dabei schön langsam runter gefahren. Doch der Einsatz unseres Lebens auf den Strassen hat sich gelohnt. Wir wurden mit einem Wunderbaren Platz für unsere Mathmi direkt am Kraterrand belohnt. Wunderbare Stille, ein fantastischer Ausblick und fast keine Inder die in unseren Bus reinstarren oder an unseren Bus klopfen...Wow.

Wir haben nur wenige solche Plätze hier in Indien gefunden, wo wir wirklich alleine und in Ruhe stehen können. Oft haben wir einen scheinbar perfekten Ruheplatz gefunden, doch schon nach kurzer Zeit steht mindestens ein Inder vor der Mathmi und streckt seinen Kopf in unseren Bus rein. Das geht ja noch, aber schlimmer sind die Motorrad-Inder die in der Nacht neben unserem Bus anhalten, penetrant klopfen oder manchmal auch versuchen die Schiebetüre zu öffnen.

Es macht dann immer: doingdoingdoingdoing (an die Metallwand draussen) habalajhanahawala? Und dann wieder: doingdoingdoingdoing.........halajanamasalawala?

Sorry, aber ich mache doch nicht mitten in der Nacht einem fremden meine Türe einfach so auf? Leider verstehen wir das indische Gelabber nicht und sie verstehen uns anscheinend auch nicht. Oft haben wir Glück und der Indermob verzieht sich nach einer für uns ewig andauernden Weile, aber manchmal sind die so penetrant, dass wir einfach noch vorne steigen und den Indern davonfahren um einen neuen Platz am Strassenrand zu suchen, wo wir eher in Ruhe gelassen werden.

Im Staat Maharastra war die ständige an unseren Busklopferei so nervig, dass wir drinnen immer zusammenzuckten. In der Zwischenzeit nehmen wir es aber easy und machen und darüber lustig....schliesslich haben wir keine Wahl ;-)

Trotzdem hat Indien einmal zuviel an unseren Bus geklopft und deshalb sind wir geradewegs auf die sechsspurigen Highways ausgewichen um unser Leben und unsere Nerven
 zu schonen. Das hat sich auch wirklich gelohnt, weil wir ganz relaxt in Ahmedabad und Jaipur Grossstadtstops einlegen konnten um am Abend wieder aus den Städten raus zufahren.Jaipur Pink City Grossstadtziege

In der Nähe von Ahmedabad haben wir am Abend auf einem Platz neben der Hauptstrasse parkiert. Dass dieser Platz einer Familie gehörte wussten wir nicht. Nach dem üblichen ....doingdoingdoingdoing durften wir aber stehen bleiben und die Familie hat uns sogar ein Nachtessen zu unserem Bus gebracht. Unglaublich, wir waren echt überwältigt!

Und so sind wir nach nur wenigen Tagen ganz gelassen wieder einmal in Delhi angekommen und wollen uns hier um eine Dinge und unser Kirgistan Visa kümmern. In Delhi kann man perfekt am Nehru Park im Süden der Stadt sein Auto für 100 Rps am Tag parkieren und kann für 10 Rps Duschen gehen. Wir stehen unter Bäumen und werden von aufdringlichen Indereinhörnchen mit Hülsen bombardiert, dass stört uns aber wenig, denn hier scheinen wir und unsere Mathmi vor „Indien“ für eine kurze Weile sicher zu sein :-)

Das Kirgistanvisum haben wir übrigens auch ganz unkompliziert erhalten. Es war das unkomplizierste Visum der ganzen Reise. Wir freuen uns auch schon riesig auf das Land, von dem wir durchwegs nur positives gehört haben.

The Show Must Go On

Goa‘s Strände sind schon manchem zum Verhängnis geworden. Wie die „Sirenen“ verlocken sie Reisende zum kommen und nicht selten bleiben die Verführten länger als gedacht oder sogar für immer. Uns ist es aber zum Glück nicht so ergangen. Wir verbrachten „nur“ ca. 6 Wochen still und gut eingeparkt am Strand von Agonda, mehr als wir wollten zwar, aber es hat gut getan.

Während einer Woche sind wir kurz in Nord-Goa rumgedüst, nicht weil dort die Partys (nicht) sind, sondern weil unser Bus einen Service und ein paar Modifikationen erhalten sollte. Ausserdem wollten wir  André und Donat am Flughafen abholen, denn sie sind aus der Schweiz nach Goa geflogen und haben uns noch ein paar „Kleinigkeiten“ mitgebracht. Zu den Wörtern in Klammern und Anführungszeichen: Die Partys in Goa sind tatsächlich meistens „nicht“, denn eigentlich suchen in Goa alle immer nur Parties und wenn dann mal eine Party ist, dann ist sie meistens doch nicht oder nach wenigen Stunden vorbei womit die Suche wieder von vorne losgeht. Die „Kleinigkeiten“ waren in zwei riesige Koffer verpackt um die 30 Kilo schwer und beinhalteten eine Gasherd-Spüle-Kombination und eine Gasheizung. :)

Abgesehen von dem Treffen mit unseren zwei Freunden wurde das Unternehmen „Nord-Goa“ dann zu einer Farce. Wo soll ich anfangen? Bevor oder nach dem die indischen Mechaniker beim Versuch den Tank auszubeulen den Schwimmer und somit die Tankanzeige kaputt gemacht haben? Oder nein besser fange ich mit dem Tag bei Toyota an, an dem wir 7 Stunden gewartet haben um am Schluss nur einen Ölwechsel und schlechte News bekommen zu haben. Die Bremsklötze seien verbraucht und nicht lieferbar, der Tank könne nicht runtergenommen werden und Schrauben die für eine Reparatur gelöst werden sollen seien unlösbar verhockt. Zwar interessanter wären vielleicht die Auseinandersetzungen mit den Mechanikern wenn ich auf Qualität pochen musste, weil sie sonst nur Schrott abgeliefert hätten. Oder wollt ihr lieber was von dem Sonnenbrand hören den ich auf meinen Augen hatte, nachdem ich einen ganzen Tag in einer indischen Werkstatt ein neues Zubehör für unseren Bus geschweisst habe? Abgerundet habe ich dann die Woche übrigens mit einer Lebensmittelvergiftung. Letztere hatte ich dann aber erst in Agonda, denn nach Agonda hatten wir uns dann wieder zurückgeflüchtet. Das war auch so geplant, schliesslich mussten wir unsere „Kleinigkeiten“ auch noch einbauen. In Agonda ging das am „angenehmsten“. Ach ja, eine Woche später hatte ich noch eine Grippe und Linda gleich dazu...

Doch lassen wir das doch alles, denn so unerwartet wie das klingen mag so war es doch: Das alles hat gut getan. Denn es hat mich, teils schmerzlich, daran erinnert, dass nicht immer alles so rund gehen muss wie es bei mir im letzten Jahr und auf der Reise bisher gelaufen ist. Nicht, dass ich mich über das bisschen Pech freue oder nicht dankbar für das war, was ich hatte, aber solche Sachen nehme ich gerne als Anlass dem Leben gegenüber noch demütiger und dankbarer zu sein.

Leicht gesagt und getan, denn das alles war ja auch nicht wirklich schlimm. Meine Augen waren ruckzuck wieder ok, mein Magen auch, die Grippe dauerte nur zwei Tage und die fehlenden Teile haben wir ebenso ruckzuck aus der Schweiz zugeschickt gekriegt. Fabio und Walter Reichenbach haben ganze Arbeit getan und sind sozusagen unser „Boxenteam“ und mechanisches Rückgrat in der Schweiz. Danke!

Bei unserem zweiten Besuch bei Toyota gelang dann fast alles und die Tankanzeige haben sie dann beim dritten Besuch schliesslich doch auch repariert. Die Toyota-Mechs waren auch die einzig wirklich professionellen, die wir hier bisher getroffen haben, wir hätten von Anfang an niemand sonst an unseren Tank lassen sollen. Die grossen Toyota und Honda Garagen in Indien scheinen auch zu den einzigen wirklich modernen Garagen in Indien zu gehören. Leute, ich wusste echt nicht was wir an den Automechen in der Schweiz haben! Die verstehen was von Autos! Seit Iran ist das mehr Voraussetzung, die meisten "Mechen" sind nicht besser als ich selbst und probieren einfach aus.

IMG_0102Wir waren in unserer letzten Agondawoche nicht untätig (endlich mal) und unser Bus hat jetzt Reling, einen Gepäckträger hinten, einen Gasherd und eine Spüle (und somit fliessendes Wasser) und eine "Versorgungsklappe" hinten rechts für eine Aussendusche die wir einfach „einklinken“ können. Das war „Komfort“ den wir vermisst hatten und wir uns zum Glück aus der Schweiz nachfliegen lassen konnten. Unsere Gepäckbox, die wir ja seit Amritsar haben konnten wir noch lackieren lassen. Ausserdem haben wir unsere Gasheizung nun doch dabei, die fehlte uns ja sehr im November und Dezember im Iran und der Türkei.IMG_0104

Aber moment mal! Gasheizung? Hmm... Wozu denn das jetzt? Wenn der Sommer doch kommt und wir hier bei 35 Grad rumfaulen brauchen wir doch keine Gasheizung, oder? Natürlich nicht, aber, wenn wir doch nun an einen Ort fahren würden wo es kalt wäre, dann bräuchten wir doch die Heizung wieder, oder etwa nicht? Doch wohin könnte das sein? Darüber haben wir uns natürlich in Agonda einige Gedanken gemacht. The Show Must Go On! Doch WO?

Von Indien fahren wir nach Nepal, das ist bekannt und dann? Die Frage war bis vor kurzem noch offen.

Jetzt nicht mehr, die Fäden sind gezogen, der Motor warm, die neuen Karten im Navi und die Sauerstoffmaske auf der Einkaufsliste. Genau, Sauerstoffmaske, denn um quer durch den Himalaya, Tibet und China zu fahren kann eine solche benötigt werden :)

Das ist unser Plan. Von Nepal aus quer durch den Himalaya, vorbei am Mount Everest über eine Handvoll 5000er Pässe mitten durch Tibet nach China, immer nordwärts bis hoch zur Mongolei, dann links abbiegen und endlich zurück nach Westen in Richtung Kirgistan. Wir freuen uns mächtig und diese Heimfahrtsroute fühlt sich für uns richtig an. Ende April gehts los. In einem Konvoi von 5 Fahrzeugen um Kosten zu sparen, denn auf der 24 tägigen Reise muss zu jedem Zeitpunkt ein chinesischer Guide mit uns fahren und bezahlt werden. Das mit der Sauerstoffmaske ist natürlich ein wenig übertrieben, denn die Autos müssen ja auch noch laufen. Bei 5000 Meter kann es aber schon Höhenkrankheit geben und wir haben das zu berücksichtigen.

Wie meistens sind in der Gleichung aber auch Unbekannte... bzw. eine Unbekannte, welche eigentlich gar nicht so Unbekannt ist, sondern vor allem Unbekanntes tut. Stimmt eigentlich auch nicht, eigentlich muss ich zugeben, dass die Unbekannte die nicht unbekannt ist auch nichts Unbekanntes tut. Sie tut es lediglich zu unbekannten Zeitpunkten. Die Rede ist von China und der Passierbarkeit der Grenzen zu Tibet. Unsere Agentur sagt wir können Ende April nach Tibet einreisen, doch es gibt Gerüchte, dass China dann doch wieder mal die Grenzen dicht macht. Mal sehen! Erst müssen wir ja sowieso noch nach Nepal fahren! :)

Agonda Beach und das höfliche Schweinchen

Nach 2 ½ eher kalten Monaten haben wir es also endlich in die Wärme geschafft. Wir hatten uns entschlossen mal gleich den berüchtigten Agonda Strand anzuschauen wo man als Overlander direkt am Strand unter den Palmen stehen kann.

Dieser Strand wurde in einer indischen Zeitung erwähnt, da dort eben die Overlander stehen und anscheinend viel Dreck und Abfall hinterlassen. Diese Tatsache hatte uns Übles ahnen lassen. Doch dort angekommen, entpuppt sich der Agonda Strand als sehr relaxt und als perfekter Stellplatz für unseren Bus.

Agonda BeachHeute stehen da bereits 16 Busse und Lastwagen. Ganz schön viel.....Wir stehen etwas hinter dem Strand, unter Palmen am Fluss und mit Sicht auf den Jungel wo Riesenschmetterlinge, Krähen, Affen und farbenrohe Vögel miteinander das Wilde Grün teilen.

Abfall hat es bei den Stellplätzen tatsächlich, der wird dort aber von den Lokals hinterlassen, die am gleichen Strandabschnitt wie die Overlander stehen und Picknick machen. Manchmal wird der Abfall auch gleich indisch verbrannt und alles was nicht brennbar ist, bleibt dann halt auch liegen...igit igit.

Raphi und Ich haben gleich mal eine Aufklärungskampagne gestartet und machen die Inder darauf aufmerksam ihren Abfall bitte auch mitzunehmen. Ab und zu müssen wir dann halt die Aufräumarbeit trotzdem selber in die Hand nehmen :-(

StrandDer Agonda Beach ist wunderschön. Wahrscheinlich war Palolem auch mal so. Es stehen zwar viele Beach-Huts und Restaurants am Strand, diese sind aber noch sehr schlicht und versteckt. Vom Liegestuhltourismus ist Agonda wahrscheinlich noch zwei Saison oder mehr entfernt. Die Atmosphäre ist super relaxt...sichtbar nur sehr wenige Menschen am Strand....und das in der Hochsaison!!! Hier können wir uns einfach perfekt entspannen. Es ist das typische Goa-Syndrom hier unten. Bist du mal da, kommst du fast nicht mehr weg.

Entspannen und Anspannen heisst es für mich fast jeden Morgen im Asthanga Yoga. Ich besuche eine Klasse für angehende Yoga Lehrer, welche ganze 2 Stunden dauert. Wow...super anstrengend und ich war ja überhaupt nicht fit und musste deshalb schon nach 2 Tagen eine Pause einlegen, um meinen Muskelkater zu kurieren...chchchch In der Zwischenzeit habe ich jedoch bessere Kondition erreicht um dort mithalten zu können.

Ihr seht, das Leben hier ist also sehr anstrengend. Am Morgen verbiegen, dann den ganzen Tag in der Hängematte durchhängen und ab und zu im Meer herumpaddeln um die vielen Kalorien vom Banoffie Pie und Rumkugeln Essen zu verbrennen....was für ein Stress.

Nein, Stress haben wir eigentlich nur mit den Kühen die auf unseren Stellplätzen grasen oder weilKühewir auf ihren Grasplätzen stehen. Wie auch immer...Raphi hat sich auch schon mit einer Kuh angelegt und die hat ihn fast auf die Hörner genommen. Die selbe Kuh kommt bei uns öfters Vorbei um Terror zu machen. Die ist echt aufdringlich!

Friedlich sind dafür die höflichen Schweinchen. Die Schweinchen sind einfach super nett :-) Die lösen nämlich das grosse Overlander WC Problem. Einfach so in die Büsche gehen ohne ein Loch zu buddeln gehört sich gar nicht. Aber hier in Agonda ist das voll easy, denn das höfliche Schweinchen entsorgt wirklich alles!

Wenn wir in den Jungel laufen weil wir mal für grosse Overlander müssen, werden wir gleich vom höflichen Schweinchen verfolgt. Das Schweinchen ist aber sehr nett und gar nicht aufdringlich, es wartet nämlich höflich bis wir fertig sind und erst wenn wir unseren Platz verlassen, macht sich das Schweinchen über unser Häufchen her.....igit igit....aber ja....wenns ihm schmeckt ist es schon ok. Glücklicherweise können wir jedoch meistens in den Restaurants auf Klo oder unter die Dusche....wir sind ja keine Schweine :-)

PattlaManchmal kommt uns das Schweinchen auch besuchen, trampelt aber nicht wild wie die Kühe auf unserer Decke herum, sonder schaut nur mal höflich vorbei, ob es wohl etwas zu essen gibt. In der Zwischenzeit sind das höfliche Schweinchen und ich die besten Freunde geworden. Ich habe sie „Pattla“ getauft, was soviel wie „dünn“ auf Hindi heisst. Weil sie ist ja auch so dünn. Deshalb füttere ich Pattla regelmässig mit unseren Früchte- und Brotresten, damit sie auch schön an Gewicht zunimmt. Das hat sie auch schon in der Zwischenzeit und immer wenn sie mich sieht, kommt sie mir entgegen. Ach ich liebe das Schweinchen :-)

Raphi findet das Schweinchen auch toll und deshalb haben wir beschlossen uns ein Hausschweinchen zuzulegen...aber nur ein höfliches versteht sich :-) Was Yoona davon halten wird ....na ja

India, crazy india...

Golden TempleNach der Grenzüberquerung haben wir uns ganz fix im Mrs. Bandari Guesthouse in Amritsar eingenistet. Es war zwar für indische Verhältnisse unverschämt teuer, aber dafür auch sehr schön und Internet war inklusive. In Amritsar steht der "goldene Tempel" der Sikhs. Das ist ein Tempel der die elemente aller anderen Religionen in sich vereint und das friedliche Zusammenleben predigt. Zufälligerweise bekamen grad bevor wir abreisen wollten den Tip, dass es in Amritsar eine "Kisten-Strasse" gäbe. In der Kisten-Strasse in Amritsar haben wir uns dann für unser Auto hinten eine Metallbox massschneidern lassen. Die Kiste steht auf der Anhängerkupplung und wir können diese um den Kofferraum aufzumachen runterklappen. So haben wir viel mehr Stauraum gewonnen. Es sieht aber ein bisschen doof aus, was solls.

"Kisten-Strasse"?? Das ist ja so eine Sache mit den "XY-Strassen". :) In Iran, Pakistan und Indien sind Geschäfte gleichen Typs immer in einer Strasse versammelt. Das ist echt praktisch. Will man zum Beispiel einen Plastiktrichter kaufen muss man in einer Stadt einfach die "Plastiktrichter-Strasse" oder wenigstens die "Plastik-Strasse" finden. Dort kann man dann aus verschiedenen Geschäften den besten Trichter aussuchen. So hat man immer gute Auswahl und Vergleichsmöglichkeiten. Wenn man aber einen Plastiktrichter und einen Gasherd will, dann kann es vorkommen, dass man durch die halbe Stadt fahren muss um von der Plastik-Strasse in die Gas-Strasse zu kommen. Meistens läuft aber alles gut ineinander über. In Europa finden wir ja immer alle Sorten von Produkten an einem Ort und wir als Konsumenten können nur Vergleiche zwischen verschiedenen Produkten und Geschäften anstellen, wenn wir bereit sind den Weg zwischen den Geschäften mit ähnlichen Produkten auf uns zu nehmen. Zum Glück gibts das Internet. Ich bevorzuge das "Strassen" System, denn es gibt mir die Möglichkeit günstiger zu besserer Qualität zu kommen und treibt die Geschäfte an besser zu sein, weil der Konkurrent gleich neben an ist. Es macht auch total Spass in diesen kleinen Spezialisten-Geschäften rumzuschnüffeln, da bekommt man Sachen zu sehen, die sieht man sonst nie. Ich finde es eigentlich schade, dass bei uns die Spezialisten eingehen und nur noch die Grossdiscounter bleiben. Die Vielfalt an Produkten und die Qualität der Beratung ist dann schlechter und ich finde das bedauernswert.

In Amritsar war es Nachts im Dezember immer noch ziemlich kalt und wir wollten so schnell wie möglich an die Wärme. Die Flucht vor der (wenigstens Nachts) Kälte war für uns seit der Türkei die treibende Kraft. Vielleicht fast zu treibend. Nachdem wir uns in Amritsar während ein paar Tagen ein wenig von Pakistan erholt hatten, machten wir uns also wieder auf den Weg nach Süden. Zuerst schauten wir noch bei der Toyota Vertretung in Amritsar vorbei, die haben einen Stossdämpfer gecheckt (Pakistan war rau, aber anscheinend nich zu rau, der Stossdämpfer war ok) und unsere Mathmi gewaschen. Alles gratis, Tee gabs auch noch :)

Wir genossen es sehr endlich in einem Land zu sein in dem Vegetarier sein normal ist und die Frage nach fleischlosen Gerichten nicht grenzenloses Staunen hervorruft, sondern gar nicht erst nötig ist. Wir freuten uns wirklich sehr auf Indien, doch unserer Freude wurde ziemlich schnell ein Dämpfer versetzt, denn der Verkehr in Indien ist, seit wir vor 5 Jahren mal da waren, noch schlimmer geworden.

India CamelIndiens Strassen sind etwa so wie wenn man 100 Millionen 5-Jährigen Lastwagen, Busse, Autos, Motorräder, Rikschas, Fahrräder, Elefanten, Dromedar-Zugwagen und "ich habe keine Beine Rollbretter" gibt und schaut was dabei rauskommt. Viele Autos haben nicht einmal Rückspiegel, oder nur einen und das nicht weil sie abgebrochen sind, sondern weil sie ab Werk keinen linken Spiegel haben. Das alleine sagt viel über den Fahrstil der Inder aus. Inder schauen nur nach vorne und das einzige was für sie zählt ist ihr eigener Vorteil. Wer den Vorteil bekommt bestimmt die Grösse des Fahrzeugs und die Bereitschaft sein Fahrzeug zu beschädigen. Lastwagen sind gross und sie scheren sich nicht um "Kratzer" und somit machen sie was sie wollen. Selbst dreispurige Autobahnen sind verstopft auch wenn es wenige Fahrzeuge hat, weil drei Lastwagen mit Höchstgeschwindigkeiten von 40kmh, 41kmh und 42kmh alle drei Spuren verstopfen und gleichzeitig links noch einen Elefanten überholen. Alle Lastwagenfahrer haben eine andere Philosphie, einige denken sie fahren immer links, andere immer rechts, andere immer in der Mitte oder Slalom irgendwo. Autofahrern und uns bleibt zum Vorwärtskommen nur das Slalom um die Laster. Aus dem Weg gehen die Laster sicher nie, denn sie stehen in der Hirarchie ganz oben. Es ist echt anstrengend hier zu fahren. Die einzige Lösung ist sich damit abzufinden nur mit 35kmh vorwärs zu kommen, das ist bei Indiens Grösse aber nicht immer lustig, denn so kommt man kaum vorwärts. Normale Strassen mit einer Spur pro Richtung haben wir versucht zu vermeiden, denn was sich dort Überholmanövern abspielt entbehrt jedem gesunden Menschenverstand. Indiens Verkehr ist lebensgefährlicher und eine realere Gefahr als die Gefahr in Pakistan von Taliban erschossen zu werden.

Als wir in Jaipur versucht haben auf einen Highway zu kommen sind wir diesem längs auf einer winzigen Strasse gefolgt. Es war schon dunkel und wir wollten nur noch aus der Stadt raus. An der Strasse wurde wohl tagsüber gearbeitet, denn die linke Spur war nach einer kleinen Schwelle nur Sand und damit niemand dort hinunter fährt lagen dort entlang der Asphaltspur grosse Steine. Rechts ging die verbleibende Asphaltspur direkt fliessend in Sand über. Wir fuhren also ganz links (linksverkehr) entlang der Steine und der Gegenverkehr wich auf den Sand aus. So ging das eine Weile gut doch dann kam ein Traktor mit einem breiten Anhänger und einem Affenzahn (im Hinblick auf die Dunkelheit und den Platz der zur Verfügung stand) auf uns zu. Er wich nicht aus. Im letzten Moment habe ich noch versucht so nahe es nur ging an die Steine ran zu kommen ohne sie zu rammen, doch das und auch das obligatorische Hupen nützte nichts mehr. Der Traktor behielt seinen Kolisionskurs bei und erwischte mit einem Anhänger unseren rechten Kotflügel und den Seitenspiegel. Der Spiegel schlug gegen das Fenster welches auch gleich in 1000 Teile zersprang. Broken Window and MirrorDer Traktor wollte nicht ausweichen, denn er war grösser als wir, also durfte er das. Ihm ist "entgangen", dass wir nicht ausweichen konnten. Er hat kurz gebremst und war weg bevor ich ihn erwischen konnte. Vielleicht war er besoffen, dumm oder einfach ein Arschloch, so oder so, das ist Indien und es ist jetzt sein Karma. Linda ist zum Glück nichts passiert, Sicherheitsglas sei dank.

Ein kaputtes Fenster und kein Seitenspiegel, für uns bedeutete das, dass wir unser Auto nicht mehr alleine lassen konnten und selbst in der Nacht nicht sicher waren. Das ist bei unserer Art des Reisens und Langfinger-Land Indien sehr ungünstig. Toyota Jaipur war zum Glück nicht weit, doch die haben in ihrem Leben noch keinen HiAce gesehen. Sie vermittelten uns zu jemandem in Delhi, der anscheinend alles auftreiben konnte. Wir fuhren also einen Tag lang zurück nach Delhi um das sagenhafte Geschäft aufzusuchen welches definitiv bestätigte eine rechte Seitenscheibe für einen Toyota HiAce mit unserer Chassisnummer zu haben. Auf den letzten Drücker kamen wir abends in Delhi an und fanden ein winziges Geschäft in einem grossen "Autoteilegeschäfte-Haus". Ach so, mal keine "Autoteile-Strasse"?

Backyard indian style window fixKurze Zeit später begannen zwei Typen die eher aussahen als ob sie Autos stehlen und nicht reparieren auf dem Parkplatz, bei Dunkelheit unsere rechte Tür auseinander zu "schrauben". Als Licht diente ihnen ein Handy bis wir unsere "Aussenbeleuchtung" zur Verfügung stellten. Wir trauten unseren Augen kaum, doch was waren die Alternativen? Schliesslich versuchten sie dann die Scheibe einzubauen, was natürlich kläglich misslang. Die Scheibe war für einen asiatischen HiAce, die sehen anders aus. Enttäuscht und mit einem halbpatzig zusammengebauten Auto mussten wir noch eine Nacht mit offenem, bzw. zugeklebtem Fenster verbringen.

Plexiglas window fixAm nächsten Morgen wurden wir dann zu einem anderen Geschäft vermittelt, welches eine Scheibe aus Plexiglas nach dem Muster der linken Seitenscheibe zuschnitt und nach gut Glück mit dem Heissluftföhn ein bisschen gebogen hat, da die originale Scheibe ja nicht flach war. Shiva seid dank! Das Fenster passte! Allerdings können wir das Fenster nur noch zu machen wenn wir es gleichzeitig mit einem Saugnapf gegen innen ziehen und weil es Plexiglas ist, verkrazt es sich sehr schnell. Indisch halt. Bis zu Hause muss das aber reichen. Ich habe gelernt wie man eine Seitenscheibe auswechselt. Die Halterung für den Spiegel habe ich selbst wieder zurecht "gespenglert", so dass wir wenigstens einen Typenfremden Spiegel so la la montieren können. Wir haben uns dabei übrigens auch gleich eine neue Hupe zugelegt. Bzw. zwei, in verschiedenen Tonlagen. 122dB... vor dem Auto stehen wenn wir Hupen ist nicht lustig. ;)

South DelhiDelhi selbst, respektive Süd-Delhi, hat uns fast umgehauen. Das was wir dort zu sehen bekamen war das modernste und rausgeputzteste seit Griechenland. Ganz und gar nicht das Indien, dass wir kennen. South Delhi StreetInsgesamt hat Indien gewaltige Vortschritte gemacht. Strassen und Infrastruktur haben sich merklich weiter entwickelt und wenn die Inder wenigstens annähernd Autofahren könnten oder so etwas wie Regeln wenigstens entfernt befolgen würden, würden die guten Strassen sogar etwas nützen.

Wir hatten von Kälte und Verkehr dann erst mal die Nase voll und entschlossen uns so schnell wie möglich nach Goa, Agonda zu düsen um uns dort mal so richtig auszuspannen und zu erholen. Go goaNicht, dass wir uns nicht schon unterwegs erholt hätten, doch vermissten wir die Wärme und die Möglichkeit mal mehr als nur ein paar Tage an einem Ort zu verweilen. Wir fuhren und fuhren und wie bei einem Download im Internet der bei 99% abbricht hatten wir 180km vor unserem "Zielstrand", kurz vor der Grenze zur Provinz Goa, nach gut 16000 km seit der Schweiz doch glatt noch einen Platten. Ein Nagel. In dem Rad, dass schon in der Schweiz VOR der Abfahrt platt war und aufgrund der komplizierten Natur des Risses im Reifen einen Schlauch bekommen hat. Wir waren grad Indias Mobsmitten in einer Kleinstadt und ruckzuck standen natürlich die üblichen 30 Inder um uns rum und beobachteten aufmerksam wie ich das Rad gewechselt habe. (auf dem Bild ist der "Mob" erst am entstehen) Die 30 Inder stehen übrigens innert kürzester Zeit in einer Traube um uns herum, egal wo wir halten. Eigentlich ist das wirklich sehr süss und ich finde Neugier eine tolle Charaktereigenschaft, doch trotzdem, zum Teil nervt das total, denn das Gefühl für "Distanz" ist in Indien ganz anders als bei uns. Ausserdem wollen sie sich natürlich immer mit uns Fotografieren, zuerst der, dann der, dann der mit dem und noch ohne den. Wir kommen uns manchmal vor wie Tiere im Zoo. Am Anfang ist das noch lustig, aber mit der Zeit nervte es nur noch weil wir mit den Nerven wegen dem Unfall und dem Verkehr ziemlich runter waren. Wir bekommen dafür eine Ahnung wie das Stars wohl gehen muss, wenn man keinen Schritt auf der Strasse machen kann ohne, dass 30 Leute um dich rumstehen und sich mit dir fotografieren wollen. Wir verstehen nicht warum die Inder darauf so scharf sind. Es geht allen Overlandern so.

Das Rad war dann zum Glück schnell geflickt. Nagel raus, neuer Schlauch rein, fertig. Ein "Reifendoktor" war auch nicht weit.

In Indien ist mir etwas aufgefallen. Vorurteile! Ich schäme mich immer sehr wenn ich mich dabei ertappe welche gehabt zu haben und gebe mir immer sehr Mühe gut zu differenzieren. Umgekehrt aber, die Vorurteile, die total undifferenzierte Betrachtungsweise der Iraner, Pakistani, Inder uns gegenüber, die sind mir erst mit der Zeit bewusst geworden. Die zwei nervigsten:

1: Weisse Europäer sind reich, so reich, dass sie sich ALLES kaufen können.
2: Weisse Europäer können keine handwerklichen Arbeiten machen.

Nummer 1 ist besonders in Indien schlimm, denn fast jeder versucht uns hier abzuzocken so gut es geht. VIEL schlimmer als in allen andern Ländern bisher. Nummer 2 ist nervig, wenn uns jemand zusieht, wenn wir eine beliebige handwerkliche Arbeit am oder um den Bus machen. Ich habe gelernt wie es Frauen gehen muss wenn sie versuchen einen Nagel einzuschlagen und sofort steht ein Mann da und nimmt ihnen das Werkzeug aus der Hand und macht es für sie. Uns geht es hier (ausser beim Reifenwechsel) ständig so und wenn ich mich dann mit einem Werkzeug wider ihrer Erwartung ganz geschickt anstelle staunen sie Bauklötze, denn meistens sind die "Helfer" selbst handwerklich sehr ungeschickt und machen mehr kaputt, als sie helfen.

Indien ist Indien, auch beim dritten mal bringt es mich wieder an meine Grenzen, auch dieses mal wieder im Strassenverkehr. Letztes mal mit dem Motorrad war es weniger nervend, dafür anstrengender. Schlussendlich haben wir uns dann nach Agonda an den Strand zurückgezogen, hier ist es (manchmal) still und friedlich :) Indien gefällt mir trotzdem nach wie vor, aber mit dem Auto ist das Land nicht besonders zu empfehlen.