Iran

Iran, Iran :)

Im Iran sieht man niemals ein einziges weibliches Haar, die Frauen laufen alle in langen Mäntel herum und sehen aus wie wandelnde Mülltonnen. Alles ist Wüste Wüste Wüste und nochmals Wüste und die Menschen sind Fremden gegenüber, insbesondere solchen aus Europa, unfreundlich. Niemand hilft uns wenn wir Probleme haben und es ist schwierig mit irgendwem ins Gespräch zu kommen. Autofahren grenzt an Selbstmordversuch insbesondere in Teheran welches nur aus engen Gässchen und Lehmhäusern besteht. Der Islam wird hier von jedem bis aufs Wort ernst genommen und sobald das ohrenbetäubende Geschrei der Muhezins fünf mal am Tag losgeht steht das ganze Land still und jeder legt sich hin um in Richtung Mekka zu beten. Amahedineschad ist hier so etwas wie ein Gott und Vorbild von allen....

NICHTS von allem was ich soeben geschrieben habe ist wahr. Das ist alles gelogen.

Für mich ist es eigentlich keineswegs überraschend, dass die Menschen im Iran sehr freundlich und gastfreundlich sind, doch trotzdem übertrifft, dass was wir hier antreffen alles was ich mir denken konnte. Die Frauen tragen zwar tatsächlich alle Mäntel, aber die gehen normalerweise nur knapp über die Hüfte und kommen in einer Vielfalt die seines gleichen sucht. Ich als Mann empfinde die Iranerinnen im Mittel als modischer als europäische Frauen. Die Kopftücher werden getragen, aber von einem Grossteil der Frauen werden die Regeln bis ans absolute Limit strapaziert. Nur selten verdecken die Kopftücher wirklich alle Haare und in den Städten nehme ich das Kopftuch meist nur noch als modischen Trend und nicht als Symbol für den Islam wahr.

Ich glaube es ist schlicht unmöglich durch den Iran zu Reisen ohne mit Iranern ins Gespräch zu kommen oder zu irgendwas eingeladen zu werden. Sei es zum Tee oder zum Gratis parken oder uns wurden auch Autobahngebühren geschenkt. Hintergedanken? Bei zwei Fällen hatten wir das Gefühl, dass es der betreffenden Person bei seiner Freundlichkeit darum ging den Iran in ein gutes Licht zu stellen, denn es wurde immer wieder nachgefragt, ob wir den Iran gut finden. Ansonsten? Freundlichkeit und Gastfreundschaft von Herzen und geprägt von einer natürlichen Neugier und dem Drang mit uns Fremden ins Gespräch und in einen Austausch zu kommen.

Alles Wüste? Nein natürlich nicht! Direkt nördlich von Teheran erheben sich Berge bis zu 5500 Meter Höhe und fallen dann innerhalb von knapp 100km auf fast 0 Meter zum Kaspischen Meer ab. Dieses immense Gefälle führt in diesen Breitengraden zu einem Naturschauspiel, dass mir den Atem verschlug. Wir fuhren durch dieses Gebirge von Teheran aus. Aus alpenähnlichen, schneebedeckten Bergen werden innerhalb weniger Kilometer zuerst braune Graswüsten, dann Tannenwälder gefolgt von herbstfarbenen Laubwälder. Ein paar Kilometer weiter und tiefer läuft das Jahr rückwärts ab und die selben Laubwälder stehen noch grün in voller Blüte und noch ein wenig weiter werden die Wälder fast ein wenig tropisch und nach knapp einer Stunde Fahrt steht man an einem Strand und es hat sogar Palmen. Wir trauten unseren Augen kaum. Atemberaubend war auf der Seite zum kaspischen Meer leider auch der Abfall, der von den picknickbegeisterten Iranern an jedem mehr oder weniger leicht erreichbaren Platz zurückgelassen wurde. Solche Schweinereien habe ich bisher nur in Griechenland gesehen. Die Türkei und der grössere Teil von Iran sind wenigstens "akzeptabel" sauber.

Auf dem Rückweg nach Teheran "verirrten" wir uns dann absichtlich in den Bergen und wurden nach 3 Stunden Fahrt, welche am Schluss auf einer reinen Sandpiste auf über 2000M endete, mit einemIran MountainsÜbernachtungsplatz belohnt, der seines gleichen sucht! Die Rundreise zum kaspischen Meer machten wir um die Wartezeit für das Indienvisum zu überbrücken für welches wir noch mals nach Teheran mussten.

Teheran selbst ist riesig, eine moderne Metropole mit sechspurigen Highways quer durch alles durch, kleine Gässchen gibt es hier ebensowenig wie Lehmhäuser. Die Stadt ist sehr aufgewühlt und der Verkehr ist wirklich anstrengend. Ich hatte das oft gehört, aber so "brutal" wie erzählt wurde fahren die Iraner nicht. Es wird einfach jeder Zentimeter ausgenutzt, dreispurige Strassen werden wortlos zu vierspurigen um den Verkehrsfluss aufrecht zu halten und wenn man sich nicht an den Verkehrsfluss der Iraner anpasst und versucht "eigentliche" Regeln für sich geltend zu machen steht man mit jedem anderen Fahrzeug auf Kriegsfuss. Selber Schuld wer das tut, sobald man mal Taxi gefahren ist, merkt man, dass alles eigentlich viel weniger aggressiv ist, als man zuerst denken würde. Ich fuhr quer durch ganz Teheran, mitten durch alles, und ich habe insgesamt nur drei mal gehupt. Das soll mir mal einer nach machen :-) Es ist eigentlich bemerkenswert wie schnell und flüssig der Verkehr im Iran ist selbst wenn die Strassen überfüllt sind. Überfüllt sind die Strassen aber nur in grossen Städten, ansonsten sind die Strassen meistens eher leer. Staus ausserorts gibts hier nicht. Hier zu fahren erinnert mich übrigens oft an ein Computerspiel, denn ausser den Lastwagen gibt es im Iran nur ganz wenige verschiedene Autos. Das wirkt dann wie die generisch erzeugten Autos in einem Computerspiel, die alle gleich aussehen. Es gibt Kia "prides", Peugeot 405s, Renaults, hyundais und ein paar iranische Typen, die aber meist nur die Kias oder Peugots mit iranischem label sind. :-) Wirklich schlimm ist der Verkehr aber für Fussgänger. Das macht gar keinen Spass und da hat der Iran allem Verkehrsfluss zum Trotz noch viel zu lernen. In der Stadt eine iranische Strasse zu Fuss überqueren benötigt eine ganz bestimmte Technik und viel Mut. Aber damit gehts.

Die Muhezins im Iran sind viel weniger aufdringlich als in der Türkei, leise säuseln sie fast von ihren Türmen und wir hören sie eigentlich nur selten. Die Gebetsräume die es überall gibt sind meistens leer und in 3 Wochen Iran haben wir nur einmal jemanden öffentlich beten sehen. Uns schien es als ob es relativ wenige Leute geben würde, die den Islam wirklich ernst nehmen, besonders in den Städten. In vielen Gesprächen habe ich verschiedene religiöse und politische Ansichten erfahren, doch eins haben alle gemeinsam: Niemand ist zufrieden mit der Regierung insbesondere Amadineschad. Es gibt zum Beispiel die ganz einfachen Bürger, die etwa so Moslems sind wie in der Schweiz manche Christen. Zum Beispiel Menschen die in die Religion geboren wurden, vielleicht mal ein Gebet sprechen, an Gott glauben und vielleicht auch mal in die Moschee gehen aber dem ganzen nicht sonderlich viel Bedeutung zumessen. Vielen davon geht es gut genug um nicht ihren Kopf zu riskieren und sich offiziell gegen die Regierung zu stellen, obwohl sie eigentlich nicht zufrieden damit sind. Es gibt aber auch die, die zwar auf dem Papier Moslems sind, aber mit Religion gar nichts am Hut haben und umgekehrt solche, die Religion sehr ernst nehmen. Die letzteren sind sicherlich viel zahlreicher als gleichartige Christen in der Schweiz, aber viel seltener als so mancher wohl denken würde

Manche Frauen empfinden das Kopftuch als Last, andere würden es auch freiwillig anziehen weil sie es als Schutz empfinden. Einig sind sie sich darin, dass die Kopftuchpflicht ihr geringstes Problem ist, aber wenn man im Iran unterwegs ist bekommt man von der Unterdrückung der Regierung nichts mit, das ist erstaunlich. Dann gibt es auch noch die "Perser" wie ich sie nenne. Sie empfinden den Islam als aufgezwungen und orientieren sich an dem eigentlichen Persien und dessen Kultur so wie es vor der (gewaltsamen) Islamisierung existiert hat. Einen überaus beeindruckenden Rest dieser Kultur haben wir in Persepolis besichtigt. Die Ruinen lassen die Akropolis in Athen fast klein aussehen. Die "Perser" sind der Ansicht, dass "Religion" an und für sich nicht zu einem "Iraner" passt und die wahren "Perser" eigentlich instinktiv Religion ablehnen. Der Name "Iran" kam übrigens mit der Islamisierung vor über 1000 Jahren, vorher war es Persien. "Persien" war in der "Scha" Periode Mitte 20. Jahrhundert kurz wieder der Name des Landes. Als das islamische Regime unter Komeni das Land übernahm wurde der offizielle Name wieder "Iran". Dann gibt es noch die "Ches" wie ich sie nenne, die Iraner die einfach nur Freiheit wollen, egal ob islamisch oder nicht.

Unter dem Strich bleibt für mich der Eindruck, dass einige Moslems die in Europa leben den Islam (vielleicht auch unter dem Druck der Ausgrenzung und Dämonisierung) viel ernster nehmen, als der Grossteil der Moslems im Iran oder in der Türkei. Diese wenigen extremen Moslems bei uns, aber auch im Ausland machen aber wiederum viel Wirbel um viele Kleinigkeiten und vermitteln so ein falsches Bild von der islamischen Welt. Als Beispiel die Minarettabstimmung in der Schweiz: Hier wusste davon niemand mit dem ich gesprochen habe und als ich ihnen davon erzählte blieben extreme Reaktionen aus. Der "Perser" befürwortete die Entscheidung natürlich sogar. Wenn wir sagen, dass wir aus der Schweiz kommen, dann ist die Reaktion IMMER: aaaaaaaah Suisse!! Das "aaaaaaah" hat dabei den "ach viel Geld" Unterton, den man als Schweizer im Ausland gut kennt. Man denkt an Uhren und Wohlstand und damit hat es sich. Einem Iraner habe ich erzählt, dass wir Bilder gesehen haben wie man auf den Strassen schweizer Fahnen verbrennt habe nach der Minarettabstimmung. Das sei eine Routinehandlung von Extremisten, mehr nicht. Fahnen würden immer gerne verbrannt, sagte er. 

Je länger ich hier bin, desto mehr das Gefühl, dass in Europa eine Anti-Islamstimmung fast schon bewusst durch die Medien und die Politik geschaffen wird. Menschen in Europa die sich vor der Ausgrenzung in den Islam flüchten, die ihn zu Ernst nehmen und an die grosse Glocke hängen und kleine Gruppen von Extremisten weltweit liefern das Futter und lenken von der grossen Masse an Moslems und der Wahrheit ab: Nämlich, dass es sich bei allem schlechten was man über den Islam hört um eigentlich unbedeutende Minderheiten handelt. Ist der Islam nun gut oder schlecht? Das ist irrelevant. Unterdrückung ist schlecht. Im Iran und anderen Ländern werden die Menschen mit dem Islam im Hintergrund ihrer Freiheit beraubt und Extremisten rechtfertigen Terror mit dem Islam. Die "Hetze" gegen den Islam in Europa scheint unter dem Gesichtspunkt fast gerechtfertigt. ABER! Eigentlich geht es den Betreffenden (Unterdrückern) aber um Macht und der Islam (Wie Religion so oft) ist nur Mittel zum Zweck. Die Hetze richtet sich aber gegen jeden Moslem und somit gegen die Falschen. In Europa werden Moslems weil sie Moslems oder Fremde oder Ausländer sind ausgegrenzt und unterdrückt was einzelne davon wiederum zu Extremisten oder Kriminellen macht was sich wiederum gut gegen die Gesamtheit der Moslems verwenden lässt. Ein Teufelskreis.

Das Indienvisum haben wir jetzt endlich in der Tasche. Das ging in Teheran ganz kurz und schmerzlos. Nach 7 Tagen hatten wir es. Nach dem wunderschönen Esfahan sind wir zu der Persepolis gefahren (Danke Sam!) und dort haben wir Sina und André getroffen, zwei ganz tolle Menschen die mit ihrer 2 jährigen Tochter Eva und ihrem riesigen 4x4 Laster-Wohnobil auf der gleichen Route sind wie wir. Wir entschlossen uns mit Ihnen an den persischen Golf und später durch Pakistan weiter zu ziehen, weil der Teil der Strecke im Konvoi besser und sicherer zu bewältigen ist. Am Golf ist es endlich wieder richtig warm! Die ständigen Minustemperaturen in der Nacht, die wir seit der Türkei aushalten mussten, schlugen langsam auf die Stimmung. Nach ein paar Tagen in der Wärme war die Stimmung sofort wieder top!

Allerdings wird das Bild vom Iran am persischen Golf arg angeknackst. Die Freundlichkeit der Menschen ist hier oft so wie es die Vorurteile der Europäer wohl erwarten würden. Unfreundlich, überlegenes Getue, aggressiv. Am persischen Golf leben viele Araber (nein, das ist nicht das gleiche wie Iraner) und verschiedene Stimmen behaupten, dass das der Grund für das unfreundlichere Klima sei. Das kann ich nicht beurteilen, aber klar ist, wir fühlen uns hier nicht so wohl wie im Norden und werden des öfteren beschissen oder auch im Verkehr mit Handfuchteleien beschimpft, ganz wie in der Schweiz. Auch die Muhezins sind hier viel aufdringlicher.

Hier unten haben wir zum ersten mal gigantische Ölförderungsanlagen gesehen. Hässlich aber auch beeindruckend. Insgesamt haben wir im Iran übrigens vier Atomkraftwerke gesehen, die sich noch im Bau befinden. Zu dem in Busher hat mir ein Passant und Gasturbineningenieur gesagt, dass neuerdings Russen und nicht mehr Deutsche das Ding bauen und das deren Arbeit schlecht sei und die ganze Stadt Angst vor einer Katastrophe habe. Hmmm.

Wir haben am Golf ein paar wunderschöne Plätze am Meer geniessen können. André hat ein sagenhaftes Gespür für abgelegene Plätze und hat und zu ein paar wagemutigen Offroadfahrten verführt. Hätte nicht gedacht was der HiAce alles mitmacht :-) . Nein keine Angst, keine leichtsinnigen Sachen!

Mahtmi, so heisst unser Bus jetzt, läuft top, fast, ein Quietschen am linken Vorderrad und ein wenig Öl an der Gummidichtung der Antriebswelle haben uns beunruhigt, aber dank Fabio's SMS-Support wissen wir das das Quietschen von der Bremse kommt und ungefährlich ist und die Dichtung noch eine Weile hält. Nach 170000km musste die ja mal kommen. Normaler Verschleiss.

Seit der Türkei fahren wir maximal 100 kmh und auf den vielen geraden Strecken belohnt uns unser Bus mit einem Verbrauch von 7-9 Liter Diesel pro 100 km. Für ein 3 Tonnen Fahrzeug ist das einfach nur Hammer geil! Im Iran ist das aber nur für die Umwelt relevant, denn eine Tankfüllung, 60 Liter, kostet uns nur knapp über 1 Fr, 20 Liter Wasser kosten dafür 6 Fr... Das kommt uns nach den 2 Fr pro Liter Diesel in der Türkei (3 Fr für Benzin) gerade gelegen, staatliche Subventionen sei Dank. :-)

Übrigens: Da hier Alkohol verboten ist gibt es auch kaum Bier, was mich nicht sonderlich stört. Im Gegenteil, denn als Kompensation gibt es hier eine umfangreiche Palette an bierähnlichen Getränken ähnlich dem schweizer "Bilz" oder Panasch oder Radler. Nur gibt es die hier in allen möglichen Geschmacksrichtungen. Lecker!

Tipps für Overlander :-)

Die Strassen im Iran sind in super Zustand und wären da nicht unsere freiwilligen Ausflüge könnte man die Strecken mit jedem erdenklichen Auto fahren. Allgemein ist Reisen im Iran, solange man nicht an der Grenze zu Irak oder Afghanistan ist, absolut unbedenklich, angenehm, erlebnisreich und vor allem mit einem Camper sehr zu empfehlen. Abstellplätze finden sich leicht und Gefahren bestehen kaum. Am persischen Golf findet man auch abgelegene Badeplätzchen wo man ein paar Tage verweilen kann. Wenn man 4x4 hat und was wagt auch so, dass man ohne Iraner bzw. Frauen ohne Kopftuch etc. ins Wasser kann.

Das mühsame am Iran sind die Grenzen an sich so wie die Grenzprovinzen. Die Grenzer sind korrupt und versuchen jeden Tourist auszunehmen. Autos werden Ohne Grund mehrmals angeschaut und was auch immer dem Zöllner gefällt will er "beschlagnahmen". Man tut gut daran ihn das bei unwichtigen Dingen tun zu lassen, dann ist man ihn los. Bei allem anderen einfach nein sagen und drauf bestehen, dann lassen sie locker, oder einfach gut verstecken. Vielleicht wäre es sogar eine gute Idee eine Flasche Whiskey dabei zu haben, extra für den Zöllner, denn danach fragen sie immer. Die Polizei und Militärs in den Grenzprovinzen sind ebenfalls korrupt und nutzen Gelegenheiten um Touristen abzuzocken. Von der Türkei her ist das in den ersten 100km die Polizei. Einfach nicht zu schnell fahren und hart bleiben, wenn die Bullen trotzdem Bussgeld verlangen, dann ist es ok.

An der Grenze zu Pakistan in der letzten Provinz um Zahedan ist es dann die Eskorte, die mühsam ist. Aus Sicherheitsgründen wird man dort als Tourist von Polizei oder Militärs eskortiert wenn man von A nach B fährt. Aufgrund verschiedener Zuständigkeitsbereiche wechselt die Eskorte alle paar Kilometer und man muss oft sehr lange auf die nächste Eskorte warten. Manchmal 2h um dann 10 min weiter zu fahren. Grundsätzlich ist das zu unserer Sicherheit und sie geben sich oft auch echt Mühe und wir waren auch sehr dankbar für die Sicherheit. In vielen Fällen war aber klar, dass sie uns absichtlich schikanieren wollten. Deshalb: Immer freundlich bleiben und verstehen, dass sie grundsätzlich an unserem Wohl interessiert sind.

Fahrt ohne Eskorte (nur tags, keine Photostops) bis Bam und tankt dort voll wenn ihr ankommt. Tankstelle 14 km NACH Bam, ohne Benzin oder Dieselkarte ist es aber in der Grenzregion kaum noch möglich zu tanken, die Leute sind hier nicht mehr bereit zu teilen. Fahrt dann zurück nach Bam ins Akbar Guesthouse, das hat einen Innenhof- und Aussenparkplatz für Autos und gute Duschen etc. für 10 Dollar pro Nacht. Lasst Bam, Bam sein, geht nicht an die grossen Touristenspots, kauft höchstens bei Akbar um die Ecke ein, denn nicht das Fahren ist das Problem, sondern die Touristenherde, doch auch da ist seit Jahren nichts mehr passiert. Fahrt von Bam um 7 Uhr morgens los (sobald es hell ist) und sagt Akbar nichts davon, dann kommt ihr ohne Polizeieskorte von dort weg und das erspart euch schon mal die ersten paar Stunden Wartezeit. (Morgens tanken geht erst ab ca. 9 Uhr) Fahrt einfach bis ihr von einer Strassensperre aufgehalten werdet, dann kriegt ihr automatisch eine Eskorte (auf die müsst ihr dann so oder so lange warten), denn es ist im Iran nicht möglich als Tourist in unsicheres Gebiert einzufahren ohne bemerkt zu werden, es gibt also keinen Grund von sich aus eine Polizeieskorte zu bestellen.

Versucht dann vor 15 Uhr an die Grenze zu kommen, reist aus Iran aus und übernachtet dann IM Grenzhof. Das geht und ist nötig, da die pakistanische Grenze schon sehr früh zu macht und kaum in einem Tag von Bam aus zu passieren ist. Ausserdem sollte man unbedingt von der Grenze aus morgens ganz früh losfahren können, damit man Dalbandin noch am Tag erreicht.

 

1001 Picknick Teufelchen

Wer hätte das gedacht, im Iran gibt es also eine Hardcore-Picknick-Szene :-) Picknickbugs

Die Iraner machen ihr Picknick überall....in grünen Parks in den Städten, auf Autobahnausfahrten, auf Wiesen direkt neben der Autobahn oder auf extra errichteten Picknickplätzen. (Alles nur für die Szene)

Was für andere Strandhotels am Meer sind, sind für Iraner Picknickplätze an Flüssen, in Pärken oder am Meer. In Richtung Caspisches Meer stehen so „Picknickresorts“ dicht gedrängt nebeneinander und buhlen um die Picknicktouristen. Diese Picknickresorts haben extra hergerichtete Plätze mit Picknickplateaus. Diese Plateaus sind oft gedeckt und sind für unsere Augen sehr merkwürdige Konstruktionen. Oft sehen diese Picknickplateaus (welche man mietet) aus wie aus Holz, doch in Wahrheit sind das Betonkonstruktionen....sehr merkwürdig.

Nach einer eher ungemütlichen Nacht am Strassenrand sind wir dann am Caspischen Meer mal in so einen Natur-Picknick-Park reingefahren um uns ein „z’morge picknick“ zu gönnen.... genau....reingefahren....wer will den schon laufen :-)  Da führt eine ganze Strasse durch den wirklich schönen Wald mit grünen Wiesen und eben diesen Picknickplateaus. Richtig dekadent aber super für uns Overlander-füddlis :-)

Der Eintritt wurde uns natürlich wieder geschenkt.....Herzlichen Dank!

Wie wir es verstehen, picknickt der Iraner überall gern...überall wo er hinfahren kann :-) Das ist doch einfach super sympatisch....wer also gerne Picknickt, der sollte unbedingt mal in das Land der unbegrenzten Picknickmöglichkeiten „Iran“ fahren :-)

Es gibt übrigens auch eine Anti-Picknick-Szene, welche wie wir es herausgehört haben, die Picknicker natürlich einwenig doof findet.....chchchch......

Sorry....ich muss jetzt leider weiter, mein nächstes Picknick warten schon auf mich.......

Tehran to caspian see and back

Weil wir das indische visum beantragen mussten, sind wir schnell nach tehran gefahren um dies dort zu erledigen. Die visumstelle wirkte etwas chaotisch auf uns, trotzdem ging alles sehr schnell. Formular ausfüllen, bearbeitungsgebühren bezahlen und das ganze mit einer passkopie von uns abgegen....in 7 tagen wiederkommen. Dazu ist zu sagen, dass wir als schweizer keine „recommendation of embassy“ brauchten. Alle anderen europäer brauchen dies.

Wir haben auf der indischen botschaft ein holländischen pärchen getroffen, dass uns den grossartigen tip gegeben hat beim imam komeni shrine zu campen. Das tun dort nämlich alle. Also haben wir unser büssli aus der stadt zum shrine gefahren.

Herrlich...wohl der beste und sicherste platz um in tehran als overlander stationiert zu sein. Rundherum campen und picknicken die iraner in scharen J es hat zugängliche uns saubere toiletten auf welchen man auch mit einwenig fantasie duschen kann.

Theran...die stadt der 1001 mäntelchen. Dieses modische, wohl fast einzige modische assessoir der iranischen frauen konnte ich mir nicht entgehen lassen und bin dann grad mal auf der längsten einkaufsstrasse der welt shoppen gegangen. Die qual der wahl.....:-) zum glück hat raphi den nachmittag durchgestanden und ich bin stolze besitzerin eines sommermäntelchens. (obschon ich nach ca. 2 wochen verstehe wieso es so schwierig wahr etwas leichtes zu finden....hat nämlich schön abgekühlt hier)

Am nächsten morgen sind wir ins alamut vally gefahren.....wow.....berge...wüste...schnee.. 1001 iraner am picknicken J kurz nach mittag sind wir von der strasse kurz abgefahren und auf einmal stehen wir hinter einem kleinem hügel auf einem plateau und unter uns tut sich das alamut vally auf. Alles so perfekt....fast perfekt....

Also das war nämlich so....mitten in der nacht mussten wir mal beide aus dem bus um mal für kleine overlander und als wir wieder in unseren bus rein wollten....liess uns der bus leider nicht. Die tür war zu....alle türen waren zu....alle fenster waren zu..... ahhhhhhhhhhhh!!!!!!!

Was nun...ich stehe im pyji ohne kopftuch draussen, raphi hat auch nur seine trainermontur an und wir frieren. Wir denken verschiedene möglichkeiten durch. Iraner im dunkeln auf der strasse anhalten und versuchen zu erklären was los ist, damit die einen pannendienst für uns holen? Ich ohne kopftuch ohne mantel....nicht ideal......geht auch lange...bis dahin hätten wir eiszapfen an der nase.

Scheibe einschlagen? Aber welche? Welche können wir leicht ersetzen lassen? Die wahl viel auf das scheiss französische schiebefenster, dass schon seit der ersten sekunde wasser in unseren buss gelassen hat und nur mit viel modifikation von raphi seinen eigentlichen zweck erfüllte....war schon ein komisches gefühl die eigene scheibe einzuschlagen.....es hat 1001 glassplitter gegeben, die wir aus unseren bus beseitigen mussten.  In der nacht haben wir das fenster mit einem plastiksack zugeklebt. Sah richtig schick aus J

Am nächsten morgen sind wir dann mit unserem cabrio-bus ins vally reingefahren, mit der hoffnung einen schreiner zu finden, der uns den bus wieder langfinger-dicht macht. Nach ca. 1 stunde haben wir in razmiyan schon einen schreiner gefunden, der raphis konstruktionsvorstellungen in holz umsetzte. Erstaunlich wie gut die zwei das hingekriegt haben, obwohl die sprachbarriere ja so gross ist J Kurz gefasst, ca. 12 stunden nach dem „einbruch incident“ in unseren eigenen bus, haben wir „das worst case szenario“ wieder behoben.

Wir sind dann weiter ins tal reingefahren und sind am frühen nachmittag wieder von der strasse gebogen um eine seitenstrasse entlangzufahren. Was für ein stellplatz sich für uns dort eröffnete ist fast unbeschreiblich. Vor uns das tal, dahinter die mächtigen berge und das noch in einer ungestörten einsamkeit....umwerfend!!! wir haben dort einen ganzen weiteren tag verbracht und uns die szenerie reingezogen. Es war einfach gewaltig...gewaltig auch zu wissen, dass sich hinter den vor uns liegenden bergen sich das caspische meer befinden soll.....

Und genau dort wollten wir als nächstes hin :)

Iran border

Im murat camping (türkei) haben wir am vorabend noch schön unseren bus mit wasser abgespritzt, damit wir am iranischen zoll auch schön glänzen.

Murat hat uns noch den tip gegeben erst am späten vormittag am zoll aufzutauchen, weil die beamten dann schon baksheesh eingenommen hätten und man gut durchfahren kann. Er hat auch gesagt, dass man sich keine dieselkarte aufschwatzen lassen soll und sagen soll man hat schon eine.

Nun.....einfacher gesagt als getan ;-)

Hier eine kurzfassung für overlander:

  1. Mit dem auto ins gelände fahren
  2. In einem der 3 ersten kleinen häusschen den pass abstempeln lassen, mit einem herzlichen: welcom
  3.  Im kleinen häusschen rechts mit dem carne das auto registrieren lassen.
  4. Ins grosse hauptgebäube links zur passkontrolle ( nicht ins touristinfo reingehen! Dort nimmt der Betrug seinen Anfang)
  5. Nun muss ein Zöllner das Auto checken. Doch wann er genau kommt wissen wir nicht, weil das für uns von den "Betrügern" eingefädelt wurde.
  6. Mit allen dok. Wieder raus und ins gleiche gebäude auf der linken seite in den seiteneingang. Dort das erste büro rechts. Dort wird das carnet abgestempelt. Kopie des Passes des fahrers ist notwendig.
  7. Jetzt wird ein weisser zettel ausgestellt, welcher vom zöllner unterschrieben wird. Dieser zettel wird dann auch noch an einem tisch ausserhalb des büros abgestempelt. Das war etwas chaotisch. Vielleicht kam der weisse Zettel auch vom Zöllner bei 5. Wir wissen es nicht mehr.
  8. Das carnet auf Richtigkeit prüfen.
  9. Auf dem weissen zettel muss auf der rückseite oder auch vorderseite ein runder stempel sein. Ohne diesen kann mann nicht einreisen. Woher der Stempel auf der Rückseite kommt wissen wir nicht. (Genaueres dazu siehe unten)

Ob die reihenfolge ganz richtig ist, kann ich nicht ganz sagen, weil die helfer verwirrungstaktiken benützen um den genauen ablauf zu vertuschen -;)

Leider ist dieser vorgang nicht ganz einfach weil....es da so "helfer" gibt die dein geld wollen und das um jeden preis. Alle spielen mit. Der bewacher des tores gibt deine dokumente gleich dem "helfer" weiter und der bringt dich gleich zum chef ins touristinfo wo man dich auf sanfte weise bedroht und dir tankkarten im wert von 240 euro für 400 liter diesel verkaufen will. Wenn du das nicht machst, fallen roadtaxes von 800 euro an. In den tankkarten seien diese schon inbegriffen....ja klar ;-)

Da sie nicht ehrlich mit uns waren, waren wir halt auch nicht ganz ehrlich mit ihnen und haben gesagt, dass wir nur 130 euro dabei haben weil wir nicht wussten dass keine kreditkarten funktionieren ;-) wir haben uns einfach doof gestellt ;-)

Die sind dann auf die euros eingestiegen und wollten uns für das geld 200 liter dieselkarte verkaufen. Das war ok für uns. Für den augenblick.....

Mit der zeit haben wir dann geschnallt wie das läuft und haben gedacht....immer schön alle dokumente behalten und wenn dann alles beisammen ist, dem helfer etwas geld geben und abdüsen. Also haben wir unsere dokumente einfach nicht mehr aus der hand gegeben und sind immer mitgegangen.

Das ganze ging aber sehr schnell und wir haben leider nicht ganz mitbekommen wer jetzt alles das weisse dokument gestempelt hat und welcher stempel und welches visum echt war. Nach ca. 1ner stunde konnten wir die zollabfertigung verlassen. einer der typen hat dann gesagt ihr könnt jetzt fahren, ihr werdet aber vor dem letzten tor nochmals gestoppt. Wir dachten geil.....jetzt haben wir alle dokumente, müssen keine tankkarte kaufen und können abfahren.

Doch nach ca. 1 kilometer kommt die ernüchterung.....unten, tatsächlich wartet der andere "helfer". wir können nicht in den iran, solange der runde stempel auf dem weissen papier fehlt.....und den kann natürlich nur er uns besorgen.....klar....schlau die bande....dass muss man ihnen lassen.

Wir werden etwas genervt und wollen den stempel selber holen....er soll uns sagen wo wir den bekommen. Er wird auch nervös weil er merkt, dass wir nicht ganz blöd sind und fängt uns wieder an mit den 800 euro zu drohen und will die beamten oben anrufen. Die ganze sache stinkt gewaltig!

Nun ja.....alle spielen mit.....und wir wissen leider nicht was alles passieren kann wenn man sich diesen typen wiedersetzt und ob da oben in den büros dann einfach einer sagen kann, keine einreise oder 800 euro bitte. Also spielen wir mit...raphi holt aber nochmals 100 liter dieselkarte zusätzlich raus.....wir sind nicht ganz unglücklich :-)

Wir haben uns das so vorgestellt, dass alle, die auf dem weissen papier ein visum gesetzt und die "helfer" unterstützt haben, dann etwas von den 130 euro bekommen. Hoffentlich schön fair aufgeteilt -;)

Wäre gut zu wissen, ob den iranischen zoll jemand schon ohne helfer und ohne farsi geschaft hat?

In der zwischenzeit sind wir schon ein schönes stück gefahren.

Wir wurden zweimal von der polizei angehalten. Das erste mal nur um mit uns etwas zu plaudern, das zweite mal um uns klarmachen zu wollen, das wir mit unserem bus nur 90 auf der rechten spur fahren dürfen.....ja klar doch.....nachdem raphi dem polizisten die strassenregeln aufgezeichnet hat, will dieser nicht mehr 50 sondern nur noch 20 dollar. Wir ziehen wieder den....wir haben kein geld trick ab....und er gibt sich mit 8 dollar zufrieden -;)

Dafür können wir hier für 1 dollar den halben tank mit diesel füllen. Mit tankkarte oder einfach mit den truckers mittanken, gar kein problem.

Roadtaxes werden uns auch einfach erlassen :-)

Während der fahrt üben wir schön farsi und hoffen, das die iraner unser gebrabel auch verstehen.

Mehr über den wunderschönen iran gibt es später zu lesen, da wir hier leider nur selten internet haben. Alles liebe Linda